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Die Mitglieder des Vereins Freundeskreis Waldkrankenhaus Köppern e.V. unterstützen ehrenamtlich Patienten im Waldkrankenhaus durch Ausrichtung von Aktivitäten für und mit den Patienten. Mit diesen Mitteln tragen wir zum Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Kranken und suchtmittelabhängigen Menschen bei und fördern deren Integration in die Gesellschaft. Hier möchten wir mit Anderen in Kontakt treten!

Freundeskreis Waldkrankenhaus Köppern e.V.

Kompetent mit Menschen

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von Prof. Dr. Gerald Schiller

Am 1. April 1901 kamen die ersten Patienten in die sog. „Filiale B“ der Frankfurter „Anstalt für Irre und Epileptische“. Bei der Filiale B handelte es sich um die Hüttenmühle im Köpperner Tal im Taunus, welche die Stadt Frankfurt nur wenige Wochen zuvor mit einer größeren Landfläche gekauft hatte.

Die ersten 7 Kranken waren – so der Terminus der damaligen Zeit – „Alkoholisten“, die durch landwirtschaftliche Arbeit an frischer Luft in der „agrikolen Kolonie“ bei Köppern ihre Gesundheit wiedererlangen sollten.
In der Regel wurden damals betrunkene Menschen, welche die Polizei auf der Straße festnahm, in Irrenanstalten eingewiesen, wo sie zwar unter medizinischer Aufsicht standen, aber keine spezielle Therapie erfuhren. Es ist vor allem dem großen Engagement des Direktors der Frankfurter Irrenanstalt, Dr. Emil Sioli (1852 – 1922), zu verdanken, dass Frankfurt zu den ersten Kommunen gehörte, die eine öffentliche Heilstätte für mittellose Alkoholkranke gründeten. Die Wahl des Standortes im landschaftlich schön gelegenen Köpperner Tal folgte einem naturheilkundlich beeinflussten therapeutischen Konzept, das um 1900 nicht nur die Psychiatrie, sondern auch andere Zweige der Medizin beeinflusste.

Für rekonvaleszente Alkoholiker galt landwirtschaftliche Arbeit als wichtigstes Therapeutikum. Dr. Emil Sioli plante jedoch mehr als eine
kleine Alkoholisten-Kolonie in einer bald um zwei Barackenbauten (1904-1906) erweiterten alten Mühle; von Anfang an hatte er den Plan, an diesem Ort eine größere Heilstätte für „Nervöse“ und „leicht psychisch Kranke“ zu errichten.
Wie der Alkoholismus so wurden auch Nervenleiden um 1850 erst allmählich zum Thema ärztlicher Therapie. Erste öffentliche Nervenheilanstalten entstanden erst nach  der Jahrhundertwende


Die Köpperner Anstalt gehörte zu den frühesten durch die öffentliche Hand finanzierten Gründungen für Nervenkranke. In den Jahren 1910 – 1913 wurden zusätzlich sechs Landhäuser (2 Häuser für Nervenkranke sowie 4 Gebäude für psychisch Kranke) errichtet, so daß schließlich 130 Betten in Köppern zur Verfügung standen. Im Jahr 1918 wurde die neue Anstalt unter einem eigenen ärztlichen Leiter gegenüber der Frankfurter Hauptanstalt unabhängig.

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden der Nervenheilanstalt Aufgaben eines Reservelazaretts zugewiesen, in dem überwiegend psychisch kranke Soldaten versorgt wurden. Während der Zeit der Weimarer Republik diente die auf 200 Betten erweiterte Köpperner Einrichtung u.a. als Sanatorium und bezog die Teichmühle bei Köppern (Erwerb 1918) als Altersheim so wie das sog. Institut Garnier als Kinder- und später Erholungsheim für Frauen (Erwerb 1922) mit ein. Die Köpperner Einrichtung galt in dieser Zeit trotz verschiedener Investitionen als rückständig.

Mit dem Neubau der Universitätsnervenklinik in Frankfurt-Niederrad im Jahr 1930 sowie mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise geriet die Köpperner Anstalt mehr und mehr in wirtschaftliche Nöte. Der ärztliche Leiter der Einrichtung, Dr.Max Meyer, nahm auf Drängen der Stadt Frankfurt in 4 der 6 Landhäuser nur noch chronisch kranke und alte Menschen auf. Die Entlassung der jüdischen Ärzte auch in Köppern im Jahre 1933 trug dazu bei, daß die Nervenheilanstalt in Köppern einer neuen Bestimmung zugeführt wurde. 1934 übernahm die Frankfurter Stiftung „Hospital zum Heiligen Geist“ die Verwaltung der „Frankfurter Pflegeanstalt Köppern“ und versorgte hier etwa 250 alte Menschen aus der Großstadt. Um den Beginn des 2. Weltkrieges ging an die Stiftung die Anweisung, Teile der Köpperner Pflegeanstalt zu Lazarettzwecken freizumachen. Etwa 350 alte und häufig bettlägerige Pfleglinge wurden


daraufhin in andere Anstalten verlegt. Etwa die Hälfte dieser Menschen überlebte die Transporte nicht. 1943 änderte sich erneut die Funktion der Köpperner Einrichtung: die Pflegeanstalt wurde auf staatlichen Befehl zu den „Krankenhaussonderanlagen Aktion Brandt-Anlage Köppern“ umgebaut. Zwangsarbeiter aus einem nahegelegenen Arbeitserziehungslager bauten angelieferte Fertigbauteile zu Baracken zusammen, in denen zusammen mit den bereits vorhandenen Landhäusern ein Allgemeinkrankenhaus mit 550 Betten eingerichtet wurde. Die Verwaltung blieb beim Frankfurter „Hospital zum Heiligen Geist“, Chefarzt war damals der überzeugte Nationalsozialist Willi Gutermuth. Dr.Karl Brandt, Leibarzt Adolf Hitlers, leitete die Schaffung von Ausweichkrankenhäusern für bombardierte Großstädte. Vor allem chronisch psychisch Kranke und alte Menschen gerieten infolge der Umschichtungen zugunsten verletzter Soldaten und für die Kriegsindustrie wertvoller erkrankter Arbeitskräfte an den Rand aller Versorgungsmaßmahmen.

Die Forschung konnte in Einzeluntersuchungen den engen Zusammenhang zwischen einer Beschaffung neuen Raums zur Krankenversorgung und der Ermordung alter und behinderter Stammbewohner der betroffenen Häuser deutlich machen. Dabei ist der Nachweis eines gezielten Mordprogrammes für die „Aktion Brandt“ schwieriger als bei der „Aktion T4“. Im Rahmen der Aktion Brandt wurden in einer großen Zahl von Einrichtungen Menschen mit Hilfe von Überdosen an Medikamenten sowie über systematischen Nahrungsentzug getötet. Forschungsergebnisse legen den Verdacht nahe, daß in Köppern Medikamente missbräuchlich appliziert und Operationen verantwortungslos durchgeführt wurden. Transporte, welche älteren Köpperner Pflegebedürftigen oftmals zugemutet wurden, sowie die pflegerische Vernachlässigung der alten Bewohner bei deutlicher Nahrungsreduktion entsprachen dem damaligen politischen Willen, der nicht nur die Ermordung psychisch Kranker, sondern auch alter Menschen zum Ziel hatte.


Das 1943 eingerichtete Allgemeinkrankenhaus bestand auch nach Beendigung des 2.Weltkrieges fort. Die Klinik diente mit ihren gynäkologischen, chirurgischen, und internistischen Abteilungen sowie einer Infektionsabteilung der Versorgung der Taunusbevölkerung bis zum Bau des Nordwest-Krankenhauses in Frankfurt zu Beginn der 60er Jahre. 1967 übertrug die Stadt Frankfurt die Köpperner Einrichtung dem Landeswohlfahrtsverband zunächst leihweise, sodann (1973) ging sie ganz in das Eigentum des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen über. Seit 1967 ist das Waldkrankenhaus Köppern wieder eine psychiatrische Klinik. In den letzten Jahrzehnten kam es zu einem Bettenabbau bei Verbesserung des ambulanten und teilstationären Angebotes, zur Differenzierung des therapeutischen Angebotes sowie zur Bildung der Außenstelle Bamberger Hof 1976. 1998 schlossen sich die Fachkliniken für Psychiatrie und Psychotherapie Waldkrankenhaus Köppern in Friedrichsdorf und Bamberger Hof in Frankfurt am Main sowie das Haus Bornberg (gerontopsychiatrische Tagesstätte) in Köppern zum „Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus gGmbH“ zusammen.

Seit dem 01.01.2000 beschränkt sich das Versorgungsgebiet des Waldkrankenhauses Köppern auf den Hochtaunuskreis mit ca. 230.000 Einwohnern, nachdem die Stadt Frankfurt am Main nun mit ortsansässigen Kliniken ihre psychiatrische Versorgung vor Ort leisten kann.

 

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