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Die Mitglieder des Vereins Freundeskreis Waldkrankenhaus Köppern e.V. unterstützen ehrenamtlich Patienten im Waldkrankenhaus durch Ausrichtung von Aktivitäten für und mit den Patienten. Mit diesen Mitteln tragen wir zum Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Kranken und suchtmittelabhängigen Menschen bei und fördern deren Integration in die Gesellschaft. Hier möchten wir mit Anderen in Kontakt treten!

Freundeskreis Waldkrankenhaus Köppern e.V.

Kompetent mit Menschen

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Mit diesem Konzept sollte den Patienten zunehmend Verantwortung für ihr Leben übertragen werden und trotz der auch sichtbaren Aspekte von Disziplinierung sollte auch eine Anpassung an die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vorgenommen werden.

Ein Vergleich der beiden „Filialen A und B“ zeigt, dass die Anstalt in Köppern personell und finanziell wesentlich besser ausgestattet war. Die Patienten erhielten eine deutlich bessere Verpflegung, und das Zahlenverhältnis zwischen Personalstellen und behandelten Patienten war zumindest in den Gründungsjahren günstiger. Auf der anderen Seite mussten die Patienten in der Anstalt Köppern körperliche Schwerstarbeit leisten und sparten damit dem öffentlichen Träger enorme Summen ein. Wenn auch immer wieder betont wurde, dass die „agricole Colonie“ in erster Linie zum Nutzen der Patienten eingerichtet worden war, so sollte andererseits die finanzielle Entlastung der öffentlichen Haushalte nicht vergessen werden. Sioli war es auch immer wichtig, die Kosten für die psychiatrische Versorgung, insbesondere in der „agricolen Colonie“, im Auge zu behalten. Die Hoffnung, dass diese Einrichtung sich finanziell selbst tragen könnte, erfüllte sich allerdings nicht. Gerade bei den Alkoholikern wollte Sioli „aus diesen nur zehrenden und verderbenden Elementen auch mit der Zeit nützliche“ machen. Hier zeigt sich, dass Fürsorge auch Ausdruck marktwirtschaftlicher Interessen sein kann. 

Sioli hatte damit seine über 25jährigen Pläne zur Gründung und Erweiterung der „agricolen Colonie“ in Köppern, die er mit Ausdauer und langem Atem verfolgt hatte, erfolgreich umgesetzt. Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln hat er der Stadt Frankfurt am Main die Entscheidung für die Erweiterung der Anstalt abgerungen und damit psychiatrischen Patienten die Teilhabe an einem zukunftsweisenden Versorgungskonzept ermöglicht. Insgesamt wird deutlich, dass Sioli mit dem Konzept der „agricolen Colonie“ vom Zeitgeist geprägt war und bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit seiner Forderung nach semistationären und extramuralen Einrichtungen seiner Zeit auch weit voraus war. Hier war Sioli Vorreiter für komplementäre Einrichtungen, die selbst noch Mitte der 1970er Jahre in der Psychiatrie-Enquete (Bericht an den Deutschen Bundestag über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland) gefordert wurden und noch in dieser Zeit nur schleppend in das Versorgungsangebot für psychisch Kranke aufgenommen worden waren.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 nahm für Sioli die Arbeitsbelastung enorm zu. Ein Teil der Ärzte und Pfleger in der Hauptanstalt in Frankfurt am Main und in der Anstalt in Köppern war zum Wehrdienst eingezogen worden, so dass die Patienten unter wesentlich schlechteren personellen und materiellen Bedingungen versorgt werden mussten. Mit der Eröffnung der Universität in Frankfurt am Main im gleichen Jahr erhielt Sioli am 14. August n1914 die Nachricht, „dass seine Majestät der Kaiser und König Allergnädigst geruht haben, Sie zum ordentlichen Professor in der Medizinischen Fakultät der Königlichen Universität zu Frankfurt am Main zu ernennen“. Gleichzeitig wurde mit der Gründung der Frankfurter Universität im Jahre 1914 die „Anstalt für Irre und Epileptische“ in „Städtische und Universitätsklinik für Gemüts- und Nervenkranke“ umbenannt.

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